Möchtest du deiner Schülerschaft mehr Sicherheit und Freude beim Lesen und Schreiben von Rhythmen vermitteln?


Wenn ja, bist Du hier genau richtig. 

In diesem Artikel zeige ich Dir, wie ich selber gelernt habe, Rhythmen zu lesen. Und wie ich es an meine Schüler weitergebe. 

Du merkst es schon: Diese Methode habe ich nicht selber erfunden. Sie wurde mir beigebracht und bewährt sich schon seit vielen Jahren. 

Ich habe sie zu weiten Teilen übernommen und auch ein wenig weiter entwickelt. Und genau das darfst Du natürlich auch tun. 

Dabei ist diese Methode sehr anpassungsfähig. Im Unterricht verwende ich sie gerne in der Grundschule. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass man sie auch für sehr komplexe Rhythmen einsetzen kann. Ich persönlich habe bis zur 12. Klasse damit gearbeitet. 

Also lass uns loslegen. Hier geht's zur Sache: 

Die Grundidee: Jedes Rhythmuselement hat einen Namen, den man sich einfach merken kann

Ein Rhythmuselement ist eine Kombination von Notenwerten, die häufig in der Musik auftauchen.

Die meisten Rhythmuselemente haben die Länge eines Viertels. Manche sind so lang wie halbe oder ganze Noten. Weiter unten findest du eine Übersicht. 

Im Unterricht beginne ich immer mit den einfachsten Elementen. Beispielsweise mit diesen da: 

Rhythmuselement Schritt Viertelnote

Schritt

Schritt

Rhythmuselement loufe Zwei Achtel

loufe
laufen

Rhythmuselement stah Halbe Note

stah
stehn

Bitte beachte: Da ich in der Schweiz unterrichte, verwende ich gerne schweizerdeutsche Ausdrücke für die Rhythmuselemente. Mit den hochdeutschen Begriffen habe ich keine Erfahrung gesammelt.


Das Vorgehen ist immer gleich, damit die Schüler es später auch selbständig anwenden können

Wähle vier dieser Karten - damit ein Takt voll ist - und stelle sie gut sichtbar auf.  

Am besten arbeitest Du dieser Phase mit den grossen Lehrerkarten. Sie eignen sich ganz gut für die Arbeit mit grossen Gruppen (resp. ganzen Klassen). 

Lest gemeinsam, was da steht. Beispielsweise: Schritt - Schritt - loufe - Schritt. Das wird wiederholt, bis sich alle sicher fühlen.

Spätestens jetzt solltest du die Klasse aufstehen lassen. Denn Rhythmus hat viel mit Bewegung zu tun. 

Jetzt wird gesprochen und dazu geklatscht: Schritt - Schritt - loufe - Schritt. Auch das wieder, bis alle sicher sind. 

Fordere danach die Klasse auf, immer leiser zu sprechen, bis nur noch das Klatschen zu hören ist. Im Kopf sollte man aber weiter "sprechen" . 

Dieses Vorgehen hat sich bewährt und ich empfehle, immer in dieser Reihenfolge vorzugehen: 

  1. Rhythmus sprechen (Name der Rhythmuselemente)
  2. Sprechen und klatschen 
  3. Nur noch klatschen (Namen denken)

Wenn sich die Schüler diesen Ablauf angewöhnen, wird er ihnen eine grosse Hilfe sein, wenn die Rhythmen anspruchsvoller werden.

Nach dieser gemeinsamen Aktivität im Klassenverband bietet es sich an, dass Du deine Schüler/innen in Gruppen weiterarbeiten lässt. Dazu habe ich die kleineren Schülerkarten entwickelt.

Der konkrete Auftrag richtet sich dabei natürlich nach der aktuellen Situation und dem Stand deiner Klasse. Weiter unten habe ich dir ein paar Ideen dazu notiert. 

Wenn sich die Klasse sicher fühlt, werden nach und nach weitere Rhythmuselemente eingeführt und geübt

Nach meiner Erfahrung reichen 14 Elemente, um fast alle Rhythmen abbilden zu können. Hier eine Übersicht mit den Begriffen, die ich aktuell im Unterricht verwende: 

Eine Ausnahme bilden die trinären Rhythmen (beispielsweise 6/8-Takt). Dazu müssten nochmal eigene Rhythmuselemente zusammengestellt werden. 
Rhythmuselement Schritt Viertelnote

Schritt

Schritt

Rhythmuselement loufe Zwei Achtel

loufe

laufen

Rhythmuselement stah Halbe Note

stah

stehen

Rhythmuselement umerenne Vier Sechzehntel-Noten

umerenne

???

Rhythmuselement hüpfe Punktierter Achtel mit Sechzehntel

hüpfe

hüpfen

Rhythmuselement stogle Sechzehntel vor punktiertem Achtel

stogle

???

Rhythmuselement düssele - töggele

töggele

???

Rhythmuselement düssele - Papagei

Papagei 

Papagei

Rhythmuselement Synkope - Tomate

Tomate

Tomate

Rhythmuselement Triole - regele

rugele

Triole

Rhythmuselement stah - ganze Note

stah 

stehn


Ich habe eigentlich noch nie mit einer Klasse alle Elemente eingeführt. Die unterschiedlichen Elemente eignen sich aber sehr gut für die innere Differenzierung.

Bestimmt geht es dir gleich wie mir: Im Musikunterricht gibt es grosse Niveauunterschiede. Schülerinnen, die ein Instrument spielen, bewegen sich auf einem ganz anderen Niveau als jene, die in ihrem Lebensalltag kaum mit Musik in Berührung kommen. 

Daher solltest du dich mit der Klasse auf die wichtigsten und grundlegenden Rhythmuselemente beschränken. Auf der Grundschulstufe ist das für mich Schritt, loufe, umerenne, stah und vielleicht noch töggele und Papagei. 

Begabten Kindern darfst Du aber gerne mehr bieten. Die haben auch Freude an der Tomate und an den Pausen.

So kannst du mit einfachen Mitteln dafür sorgen, dass alle gefordert sind und zu einem Erfolgserlebnis kommen.

Noch ein paar Gedanken zu den Namen der Rhythmuselemente: 

Natürlich kannst Du eigene Namen für die Rhythmuselemente suchen. Ich habe über die Jahre auch immer mal wieder andere Begriffe verwendet. Folgendes solltest du bei der Wahl aber beachten:  

  1. Wähle Begriffe aus dem Lebensalltag deiner Klasse. "Papagei", "töggele" und "Tomate" sind in meiner Klasse sehr beliebt. Sie zaubern den Kindern ein Lächeln auf's Gesicht und werden gerne angewandt. 
  2. Suche nach Wörtern, die auch wirklich diesen Rhythmus haben, wenn sie im Alltag ausgesprochen werden. Das ist gar nicht so einfach. Lass mich doch bitte wissen, wenn du ein gutes Wort gefunden hast! 

Ich habe Rhythmuskarten gedruckt, die ich gerne im Unterricht einsetze

Nebst meinen grossen Lehrerkarten, habe ich auch einen halben Klassensatz kleine Karten gedruckt, auf denen sich genau dieselben Rhythmuselemente befinden.

Beide Kartensets darfst du übrigens in meinem Shop beziehen. Entweder fixfertig oder als Kopiervorlage. 

  • Die grossen Lehrerkarten eigenen sich für die Arbeit mit einer grösseren Gruppe.
  • Die Schülerkarten eignen für die Arbeit in kleinen Gruppen  (2 bis 3 Kinder, damit alle aktiv sind) . 


Ideen zum Einsatz der Karten: 

Die Schüler legen in Gruppen einen oder zwei Takte und gehen so vor, wie wir es gelernt haben: Sprechen >> klatschen + sprechen >> klatschen. Ich gehe von Gruppe zu Gruppe und höre mir an, was sie schon können. Dabei kann ich auch korrigierend oder unterstützend eingreifen. 

Die Schüler präsentieren der Klasse einen oder zwei Takte, die sie selber gelegt haben. Nach der Präsentation der Gruppe sprechen >> klatschen + sprechen >> klatschen wir den Rhythmus mit der ganzen Klasse. Das erhöht die Partizipation und den Lerneffekt. 

Der Lehrer (oder ein/e Schüler/in) legt einen Rhythmus mit den Lehrerkarten, ohne dass die Klasse diesen sieht. Er/sie klatscht den Rhythmus vor. Die Klasse klatscht mit, bis sich alle sicher fühlen. Dann versuchen die Schüler in Gruppen, den Rhythmus zu legen. Am Ende werden die Karten aufgedeckt. Wer den richtigen Rhythmus gelegt hat, darf den nächsten Rhythmus legen und vorklatschen.


Nebst der Arbeit mit den Rhythmuskarten kannst natürlich auch Rhythmusblätter mit vorgegebenen Übungen einsetzen. Ich mache das auch von Zeit zu Zeit. 

Was ich an den Rhythmuskarten liebe: Sie sind nachhaltig - ich kann sie immer wieder verwenden - und können ohne grosse Vorbereitungsarbeit jederzeit eingesetzt werden.

Mit leichten Anpassungen kann die Methode auch auf höherem Niveau eingesetzt werden

Mit dieser Methode kannst du auch arbeiten, wenn du  auf der Sekundarstufe oder am Gymnasium unterrichtest. Ich bin überzeugt, dass mit diesem Vorgehen fast alle Herausforderungen im Rhythmusbereich gemeistert werden können.

Natürlich gibt es auch andere Rhythmussprachen, die mit grossem Erfolg verwendet werden. Letztendlich muss jeder herausfinden, was ihm am besten liegt. Ich wurde mit dieser bildhaften Rhythmussprache ausgebildet, fühle mich damit sehr wohl und mache gute Erfahrungen bei meiner Schülerschaft. 

Und welche Erfahrungen hast Du gemacht? Oder hast Du einen guten Begriff für ein Rhythmuselement gefunden, der bei mir noch fehlt? Ich freue mich auf deine Rückmeldung! 


About the Author

Sam Marti

Sam ist weit in die Ferne gereist und auch gerne wieder zurückgekehrt. Das Musizieren hat den begeisterten Pädagogen überall hin begleitet.

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